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Autokauf – Vorsicht!!

13.11.09

10:55:37 Permalink Autokauf – Vorsicht!!

Kategorien: Nicht kategorisiert

Nach zwei Wochen in Cairns und ein paar hundert Dollar Übernachtungskosten für das Hostel wollten wir endlich ein Auto haben. Anfänglich wollten wir unbedingt einen 4 Wheel Drive kaufen, also einen Jeep. Aber nach einer Weile (und nach ein paar Gesprächen mit anderen Backpackern) haben wir uns dann doch für einen Van entschieden. Man hat mit einem Jeep zwar die Möglichkeit, alle Strassen zu befahren (auch die sogenannten Dirt Roads, die eben nicht geteert sind und die man ohne Allradantrieb nicht befahren sollte) – aber man hat auch sehr viel weniger Platz. Da wir das Auto für ein ganzes Jahr als unser Heim (inklusive Bett) nutzen wollten, hat am Ende das Platz-Argument gesiegt.

Wer allerdings auf jeden Fall mitten ins Outback oder – noch wichtiger – in den tropischen Norden abseits der konventionellen Strassen fahren will, der muss sich schon einen 4 wd zulegen. Für kurze Trips ist aber auch ein gemieteter Wagen mit Allradantrieb ausreichend.

Zurück zum Thema: Wir haben fast eine Woche vergeblich nach einem Van gesucht, weil die Angebote in Cairns sehr, sehr rar sind, und wenn dann ein Guter zum Verkauf angeboten wurde, war der innerhalb von MINUTEN verkauft! (Tipp am Rande: Wer sein Auto ca. um August herum oder früher loswerden will, sollte nach Carins gehen. Dort kriegt man locker 1.000 Dollar mehr für das Auto, als man in Brisbane oder Sydney bekommen würde!)

Ich persönlich wollte ja nie einen Wagen kaufen, der älter ist als ein 95er Baujahr… aber nachdem ein Kumpel von der einfachen Reparatur und dem Fehlen störender elektronischer Schnickschnacks in alten Autos geschwärmt hat, habe ich mich breitschlagen lassen und wir haben einen Toyota Hiace mit Pop Top von 1980 gekauft. Das war ein Fehler.

Na ja, eigentlich bestand unser grosser Fehler darin, dass wir das road worthy certificate nicht richtig gecheckt haben: Das ist so eine Art technischer Sicherheitscheck (wie der Tüv in Deutschland), ohne den das Auto nicht auf einen neuen Besitzer umgemeldet werden kann. Wenn Jemand sein in Queensland angemeldetes Auto verkaufen will, MUSS er dem Käufer einen pink slip (road worthy certificate) übergeben, der nicht älter als zwei Monate sein darf. (In anderen Staaten Australiens ist das zum Teil anders – ich kann nur über die Bestimmungen in Queensland berichten. So muss in New South Wales beispielsweise jedes Jahr ein road worthy gemacht werden, dafür muss beim Verkauf aber keines vorliegen). And guess what, UNSER pink slip, den wir von den „netten“ Verkäufern bekommen haben, war älter als zwei Monate. Ich habe das sogar noch vor der Geldübergabe gemerkt, aber der … Kerl hat mir ins Gesicht gelogen und behauptet: „Och, das ist schon ok, wir haben das gestern im Internet nachgeschaut... ihr habt noch zwei Wochen, um das Auto auf euch umzumelden.“

An dieser Stelle hätten wir sofort zögern müssen, aber da wir uns auch nicht hundertprozentig auskannten, haben wir den Typen einfach vertraut. Sie schienen ja auch nett und ehrlich zu sein!
Also haben wir denen das Geld gegeben, die sind sofort über alle Berge, und am nächsten Tag haben wir dann versucht, das Auto beim „Transport Office“ (Verkehrsamt) auf unseren Namen umzumelden. Wenn man das nicht tut, ist man auf der Strasse nicht versichert, und obwohl viele Backpacker einfach auf dem Namen der Vor- oder Vorvorbesitzer fahren, ist das für einen längeren Australienaufenthalt nicht empfehlenswert. Wenn dann doch mal ein Unfall passiert, muss man alles aus eigener Tasche zahlen, und ausserdem ist es illegal.
Die Frau in dem Transport Office hat uns dann gesagt, dass man ein Original des raod worthy benötigt, und nicht so eine olle Kopie wie wir sie hatten. Nach weiterer Recherche haben wir dann gemerkt, dass es sowieso nicht mehr gültig war, da es aleter als zwei Monate gewesen ist.

Aaaalso mussten wir versuchen, selbst ein road worthy zu bekommen. Einige Autowerkstätten können den dafür nötigen Check am Auto durchführen, und die geben einem dann eine Liste mit den Dingen, die repariert werden mssen, bevor das Auto den Test besteht. Und unsere Liste war lang…

Das grösste Problem war der Rost, dessen Beseitigung wohl mehrere tausend Dollar gekostet hätte. Super… Nachdem wir den Betrug mit dem ungültigen road worthy bemerkt hatten, war mir ja schon klar, dass das Auto nicht tip top in Ordnung sein wird, aber mehrere tausend Dollar wollten wir echt nicht ausgeben.

Unsere letzte Hoffnung: Zu der Werkstatt ins 400 km entfernte Townsville fahren, wo unser offensichtlicher Schrotthaufen vor erst drei Monaten ein road worthy certificate bekommen hatte! Vielleicht würde der Typ ja einfach eine Unterschrift setzen, ohne den Van noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen…

Auf dem Weg nach Townsville haben wir in Mission Beach (übrigens sehr schön da) zwischenübernachtet, und einen Australier von 54 Jahren getroffen, der was von Autos verstand und Mitleid mit uns hatte… Er hat uns angeboten, den Rost für uns zu beseitigen (und damit das teuerste Problem zu beheben). Wir haben seine Hilfe überglücklich angenommen und er hat innerhalb von drei Tagen alle Dinge repariert, die der Mechaniker in Cairns auf die to-do-Liste gesetzt hatte.

Trotzdem kam der Wagen nicht durch… der Mechaniker wollte nicht, dass der Rost nur ausgebessert, sondern komplett durch neue Metallplatten ersetzt wurde.

Toll, kein road worthy für uns!
Nach diesen Tagen der Deprimierung wollten wir das Auto einfach nur noch loswerden. Was also tun, wenn man das Auto nicht selbst reparieren und behalten will? An andere Idioten verkaufen!

Zum Glück haben wir ein paar arme Backpacker gefunden, die uns das Auto tatsächlich abgekauft haben. Wir haben unseren Kaufpreis von (unglaublichen) 5.000 $ AD (ca. 3.000 €) wiederbekommen, aber wir haben weitere 800 $ AD für die Reparaturarbeiten verplempert. Egal, es hätte echt schlimmer kommen können.

An dem Auto waren im Endeffekt noch zahlreiche Kleinigkeiten, eine Halterung, die den Motor am Platz hält (alles ist verloren, wenn das reisst) und der Kühler kaputt. Wir haben den neuen Kaufern allerdings nur vom Kühler erzählt… Ja, grausam, aber hey, wir haben schon 800 $AD ins Auto gesteckt! Wenn jeder ein bisschen was bezahlt, ist das Auto bald wieder fit.

Scherz beseite, ihr müsst UNBEDINGT sicher gehen, dass

- das road worthy, das euch beim Autokauf gegeben wird, noch gültig ist
- Der momentane Besitzer auch wirklich der offizielle Autobesitzer ist (Führerschein mit den Papieren vergleichen)
- Keine offenen Rechnungen auf dem Auto lasten (die werden einfach an euch mitverkauft, und dann müsst ihr das bezahlen. Man kann gegen eine Gebühr telefonisch heruasfinden, ob so etwas vorliegt oder nicht)

Ich bin ja echt kein Automechaniker, aber es gibt ein paar Dinge, die jeder Laie selbst testen kann:
- Ein herzhafter Tritt gegen die Räder sollte diese nicht erschüttern
- Das Reifenprofil muss tief genug sein; ansonsten würde ich darauf bestehen, dass die Reifen vor dem Kauf noch erneuert werden oder der Preis für die neuen Reifen (etwa 100 $AD pro Rad) vom Kaufpreis abgeschlagen wird
- Keine rostigen Achsen, und unter dem Auto sollten keine Öl- oder Flüssigkeitstropfen hängen. Wenn das doch der Fall ist, sollte man das in einer Werkstatt checken lassen
- Bei älteren Autos wäre es ideal, einen Regentag zu erwischen… da kann einiges lecken, und ein nasses Bett ist nicht schön!
- Im Motor: Ölstand und Kühlflüssigkeit checken (wenn da zu wenig drin ist, kann das ein Zeichen für ein Leck oder Motorprobleme sein)
- Bei der Testfahrt auch den Rückwärtsgang ausprobieren
- Gucken, ob alle Lichter funktionieren
- Es sollte kein blauer oder weisser Qualm in Unmaßen aus dem Auspuff kommen…
- Kein tiefgehender Rost!!! Oberflächenrost ist okay.

Ich hoffe wirklich, dass ich dem einen oder anderen da draußen helfen konnte, keinen Fehler zu begehen! Ihr dürft euch wirklich nicht scheuen, diese paar Formalitäten (road worthy, Führerschein mit Papieren vergleichen, Kaufvertag ordentlich aufsetzen, Papiere für die letzte Registrierung geben lassen) einzuhalten, auch wenns einem dumm vorkommt, wenn man vor ein paar nett aussehenden Backpackern steht.

Um alles genau richtig zu machen, kann man am besten vorher mal beim Transport Office nachfragen, was man für die Ummeldung eines Autos genau braucht.

Vorsicht ist die Mutter der glücklichen Autobesitzer

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